Ausstellung 'Mythos Sylt - Die Vorherrschaft der stummen Gegenstände'|
Ancz É. Kokowski


zurück zu Aktuell | Neu 2011

 

 

Eindrücke zur Ausstellung:

  Auszüge aus der Einführung zur Ausstellung von Martin Schönfeld (Kunsthistoriker, BBK)  
     

Im Jenseits der Idylle

Die Ausstellung begrüßt den Besucher mit einer ungewöhnlichen, einer überraschenden Dramaturgie: Das erste Bild fällt fast aus dem Rahmen dieser Ausstellung … Als Abstraktion, …, steht dieses Werk in deutlichem Kontrast zu vielen anderen Arbeiten dieser Ausstellung, die sich sichtbar mit unserer Wirklichkeit befassen: Wir sehen Küstenbilder, Dünenlandschaften, Leuchttürme, reetgedeckte Friesenhäuser und was sonst noch zum nordfriesischen Ambiente hinzugehört. In diesem Kontext erteilt uns „Ytarak“ eine zweite Lehre: Allein mit Stilfragen kommen wir dem künstlerischen Schaffen von Ancz É. Kokowski nicht auf die Spur.

Die Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts hat bereits alle möglichen Malformen durchdekliniert. Entsprechend flexibel verhält sich die Künstlerin in ihrem Schaffen, das in seiner Ausdrucksweise vom impulsiv Malerischen bis zum konstruktiv Konkreten reichen kann. ...  Diese Formenvielfalt lehrt uns, dass für die Künstlerin anderes im Vordergrund ihrer Arbeit steht: Es geht um einen Gedanken, um ein Konzept, um Inhalte und Themen. ... Ancz É. Kokowski ... kommt zu einem ... anderen Bild von dem „Mythos Sylt“. Denn in ihrer Bildwelt spielen die „Schönen und Reichen“ keine Rolle. Ihre Bildwelt orientiert sich vielmehr auf die Natur, auf die Landschaft und auf die Ortschaften der Insel.

… Nicht die lichten Strandlandschaften von holländischen Seebädern (Noordijk) eines Max Liebermann sind ihre Bezugspunkte. Ancz É. Kokowski steht eher der unter Sturmwolken aufbrechenden Welle eines Gustave Courbet nahe. Verismus und Realismus erweisen sich als Orientierungspunkte ihrer bildnerischen Analyse des Mythos von Sylt. So huldigt sie auch keiner Romantik der Verlassenheit oder einer heroischen Frische des aufgewühlten Meeres. Ancz É. Kokowski führt vielmehr die Kontraste und Gegensätze dieser Insel vor, die sie als ein Konstrukt versteht: Sie sieht die Bunkeranlagen aus dem Zweiten Weltkrieg, die von der herbstlichen Brandung immer wieder freigelegt werden und eine Schattenseite dieses heutigen Wellness-Paradieses aufdecken. Sie sieht die Stege, die durch die Dünenlandschaft führen und das Niedertreten des Dünengrases und damit die Gefährdung der Dünen verhindern sollen. Sie sieht die aus- und weggespülten Strände, die für jede Hauptsaison aufs neue herangekarrt werden müssen – so wie in den Bergen die Schneemaschinen die Beschneiung übernehmen. Sie sieht die Ansammlungen von spitzgiebligen Friesenhäusern, die sich ängstlich hinter den löchrig gewordenen Dünen wegducken … .

Ancz É. Kokowski blickt deshalb kritisch distanziert auf ihr Sujet. Ihre Werke analysieren das Gesehene und Erlebte sehr genau, sie reflektieren und hinterfragen. Ihren Reiz entwickeln sie aus dem Dazwischen, aus der Unfassbarkeit, aus der Vielstimmigkeit. Da ist nichts klar, da ist auch nichts eindeutig unheimlich, sondern da ist alles unklar über die Eindeutigkeit oder Uneindeutigkeit von Bildstimmungen und Bildaussagen. Die darin liegende Vielschichtigkeit und Interpretationsoffenheit macht den Reiz dieser Werke aus. Sie geben Rätsel auf!

… Dies ist eine hundertprozentige Malerei: Da ist nichts Aufgesetztes, nichts Oberflächliches. Hier geht es um die Glaubwürdigkeit von Gestaltung, von Kunst, von Malerei, hier geht es um Ernsthaftigkeit und Ehrlichkeit. ...

Martin Schönfeld, Berlin 2011

 

 

Ausstellung, Ansichten in s/w:

 

  Mythos Sylt - Schwartzsche Villa

 

Ansicht I, Raum 1

 

 

 

 

  Mythos Sylt - Schwartzsche Villa  

Ansicht II, Raum 1

 

 

 

 

  Mythos Sylt - Schwartzsche Villa  

Ansicht I, Raum 2

 

 

 

 

zurück zu Aktuell | Leinwand/Neu | Home